Aus 100 ÖSTERREICHISCHE Häuser (Ausgabe 2016/17) – BUY NOW

Abheben und Raumfolgen

Drei Baukörper, zusammengehalten durch ein „Rückgrat“

Autor: Carlos Oberlechner Fotos: Manfred Seidl

Architektur SYNN Architekten (Bettina Krauk, Philipp Wemmer) Web www.synn.at Objekt Elise Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus Adresse 1230 Wien Bauherr Privat Planungsbeginn 11/2007 Fertigstellung 05/2009 Nutzfläche 189 m2 und 24 m2 Kosten k. A. Auszeichnungen Das beste Haus 2011 (Nominierung) Fotos Manfred Seidl

In jenem Bereich des 23. Wiener Gemeindebezirks, wo Kleinwohnhäuser jüngeren Datums auf Vorstadtvillen der Jahrhundertwende treffen und kleinteilige Bebauung vorherrschend ist, bedarf es einer kreativen, zugleich sensiblen Gestaltungssprache, um sich einerseits in die gebaute Umgebung einzufügen und andererseits seine eigene, unverwechselbare Charakteristik zu demonstrieren. Wie dieser Spagat geht, zeigt sich am Haus „Elise“ des Wiener Teams SYNN Architekten, bestehend aus Bettina Krauk, Michael Neumann und (bis 2011 beteiligt) Barbara Urban. Hauptthema der Planung war der Wunsch der Auftraggeber, für den Sohn einen eigenen, unabhängigen Bereich zu schaffen – dies war entscheidend für die Raumabfolge. So entstanden drei unterschiedlich proportionierte Baukörper mit verschiedenartigen Nutzungen, die von einem aus Neben- und Nassräumen gebildeten „Rückgrat“ zusammengehalten werden. Dieses sowie der Technikraum sind die einzigen Gebäudeteile, die fest mit dem Erdreich verbunden sind. Alle anderen, und das ist der eigentliche Kunstkniff, sind konstruktiv vom umgebenden Niveau abgehoben und „schweben“ majestätisch über dem Gelände.

„Dadurch ergibt sich eine deutliche Abgrenzung zum Garten“, beschreibt Bettina Krauk die Situation. „Denn das Haus sollte ein städtisches bleiben, umgeben von einem Garten als tiefer liegender Ebene, die bewusst betreten werden will.“ Neben dieser wunderbar „abgehobenen“ Ausführung verfügt das Haus „Elise“ aber über zahlreiche weitere beachtenswerte Details. Wie etwa die in verschiedene Richtungen geneigten Dächer, Fenster, die allesamt horizontal oder vertikal über Eck geführt sind, oder die Fassadenstrukturierung, wobei die geputzten Kuben sich von dem mit eloxierten Aluplatten verkleideten Sockel und Rückgrat deutlich abheben. Vervollständigt wird das Konzept durch eine elegantnüchterne Innenraumgestaltung sowie das Energiekonzept aus Erdwärme und Flächenheizung, das aus dem Refugium ein Niedrigenergiehaus macht und es in Summe nicht nur optisch, sondern auch ökologisch von herkömmlichen Konzepten „abhebt“.

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