Aus 100 working SPACES (Ausgabe 2017 / 2018) – BUY NOW

An der Börse

Was es bedeutet, sein eigener Auftraggeber zu sein, erzählen die Inhaber des Architekturbüros querkraft, Jakob Dunkl, Gerd Erhartt und Peter Sapp, im Gespräch mit 100 SPACES. Über Vorteile, Freiheiten und wie die Planung des eigenen Büros auch zukünftige Projekte beeinflusst hat.

Autor: Rosa Schaberl Fotos: Guillermo Alvarez, Lisa Rastl

Das Architekturbüro querkraft architekten wurde 1998 von Jakob Dunkl, Gerd Erhartt, Peter Sapp und Michael Zinner gegründete. 2014 bezogen die Architekten ihr neues Büro in der alten Wiener Börse.

Zum Büro: Quer gedacht.

 

Für sich selbst – und seine Mitarbeiter – zu planen ist sicherlich kein alltägliches Projekt. Welche wesentlichen Anforderungen habt ihr an eure Büroräume gestellt? 

Es ging uns um Offenheit, Einfachheit und einen gewissen Werkstattcharakter. Unser neues Büro soltte durch einfache Kraft Poesie entfalten. Besonders wichtig war uns, dass es unsere Art des Arbeitens im Team widerspiegelt.

Und welche Aufgabenstellung an euch selbst?

Wir wollten ein Projekt umsetzen, das genau unsere Bürophilosophie trifft, und das ist uns gelungen.

Wie seid ihr an den Gestaltungsprozess herangegangen?

Wir haben es quasi als Schnellschuss nebenbei gemacht. Hätten wir uns mehr Zeit dafür genommen, wäre es jedoch auch nicht sehr anders geworden.

Macht es einen Unterschied, selbst der Auftraggeber zu sein?

Da wir unsere Idee nicht erst vermitteln mussten, brauchten wir uns bei der Plandarstellung etwas weniger Mühe geben.

 

Welcher Grundgedanke steht hinter der Gestaltung?

Maximale Freiheit und einfache Lockerheit. Kein Gramm Fett bei der Gestaltung und doch emotionale Wirkung.

In einem denkmalgeschützten Gebäude zu arbeiten bringt (normalerweise) auch Einschränkungen mit sich. Warum ist die Wahl des neuen Bürostandortes gerade auf die alte Wiener Börse gefallen?

Glücklicher Zufall! Wir suchten ein halb so großes Büro innerhalb des Gürtels, jedoch nicht im 1. Bezirk. Ein Makler ließ nicht locker, bis wir das Objekt endlich doch besichtigten. Da die Räumlichkeiten lange Jahre nur als nicht gewinnbringende Technikflächen missbraucht wurden und wir auch den Umbau selbst finanzierten, konnten wir die Flächen sehr günstig mieten.

Wie hat die Historie des Gebäudes die Gestaltung beeinflusst?

Wir waren uns bewusst, dass wir es mit großartiger Substanz zu tun haben, wo wir mittels Einfachheit einen spannenden Kontrast erzielen können.

 

Was konntet ihr aus diesem besonderen Gestaltungsprozess für zukünftige Bürokonzepte mitnehmen?

Wir haben keinerlei abgetrennte Räume. Nicht für uns als Chefs, nicht für Projektleiter und auch nicht für Meetings. Das bewährt sich überraschend gut. Die Störungen, die zweifelsohne vorhanden sind, werden durch das Plus an Interaktion und Kommunikation aufgehoben. Geheimnisse gibt es bei uns nicht. Mitarbeitergespräche finden nicht hinter geschlossenen Türen statt. Wir sagen unseren Leuten gerne, dass sie ihren Job gut machen. Dazu braucht man keinen schalldichten Raum. Einzelne Gespräche über die Bezahlung, die normalerweise in einem abgetrennten Raum stattfinden würden, benötigen wir nicht. Bei uns wird einmal im Jahr offen im Gesamtteam übers Geld gesprochen. Diese Offenheit empfehlen wir auch anderen Unternehmen.

Ihr habt bereits 2014 das neue Büro bezogen. Könnt ihr für uns ein Resümee ziehen? Haben sich die Arbeitsabläufe bzw. die Kommunikation verändert?

Das Resümee ist ausgezeichnet. Wir würden alles wieder so machen. Die Kommunikation ist perfekt. Die Störungen halten sich im Rahmen. Wir haben nun sehr viel Platz zum Aufhängen von Zwischenergebnissen in kreativen Phasen, dies stimuliert den Arbeitsprozess sehr positiv.

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