Architektur der Fläche

100 Häuser X GEBA: Designwettbewerb und Ausstellung

Autor: Manuela Hötzl

Der Wettbewerb „Architektur der Fläche“ wurde im Frühjahr 2018 unter acht Architekturbüros ausgeschrieben und hatte das Ziel die Verbindung von Handwerk & Design zu fördern, wie auch die vielfältigen Eigenschaften und Vorteile des textilen Materials praktisch zu erfahren. Wesentlich für die Kooperation mit dem nachhaltigen Unternehmen Geba war auch dessen Qualitätsanspruch und Experimentierfreudigkeit. Außerdem ist jeder Teppich von Geba ein Unikat, handgeknüpft, mit Naturfarben gefärbt und nachhaltig in Tibet produziert.

WETTBEWERB: Architektur der Fläche
Auslober: Harald Geba, Geba GmbH
Kuratorin: Manuela Hötzl, 100 Medien GmbH
Jury: Harald Geba, Ralf Herms (Art Dierctor), Michael Kienzer (Künstler), Gustav Peichl (Architekt)

Die Beiträge der namhaften Design- und Architekturbüros reichten von farbenfrohen bis zu abstrakten Motiven über dreidimensionale wie modulare Konzepte. In einer inspirierenden Diskussion wurden die Preisträger unter der Federführung von Michael Kienzer (Künstler), Ralf Herms (Rosebud Agentur) und Gustav Peichl (Architekt) im September 2018 juriert.

Mit großem Engagement hat Harald Geba, nicht nur alle Teppich-Prototypen produziert, sondern am 24. Mai im Zuge des Design Monats Graz zur Präsentation in die Galerie eingeladen.

Teilgenommene Architekturbüros:
feichtingerarchitectes / Gangoly & Kristiner Architekten /
kadawittfeldarchitektur / klk /
 LOVE architecture & urbanism /
Labvert / propeller z / Arkan Zeytinoglu Architects

1. Preis
ECK-TEPPICH von kadawittfeldarchitektur, Aachen / Berlin

Titel: ECK-TEPPICH
Büro: kadawittfeldarchitektur, Aachen / Berlin (DE)
Designteam: Kilian Kada, Andrea Blaschke, Elisabeth Borghetto, Andreas Esser, Pawel Pietkun, Annkathrin Schumpe
www. kadawittfeldarchitektur.de

Begründung der Jury: Der Entwurf geht am kreativsten mit dem Thema „Architektur der Fläche“ um, bringt die Idee der „Lieblingsecke“ auf den Punkt und hat die Jury mit Witz und Innovationsgrad überzeugt. Es stellt gleichzeitig eine künstlerische Intervention wie eine räumliche Installation dar, die je nach Form und Motiv weiter ausbaufähig ist.

„Der Teppich (2D) wird zu einer dreidimensionalen Skulptur“ (Gustav Peichl)

„Ein Konzept, das auf den Punkt gebracht wurde“ (Michael Kienzer)

Architekten: Der Eck- Teppich, so finden wir, könnte nicht nur eine „räumliche Alternative“ zum klassischen Teppich und zu einem traditionellen Wandteppich sein, er könnte auch als eine dreidimensionale Projektionsfläche ganz individueller Ausprägung funktionieren.

2. Preis (ex equo)
TRANSITIONSvon Labvert, Wien

Titel: TRANSITIONS
Büro: Labvert, Stephan Vary, Wien
Designteam: Stephan Vary, Simon Aglas
www.labvert.com

Begründung der Jury: Die grafische Umsetzung der Leitidee und das Farb- und Formenspiel überzeugen. Besonders ist die Serie: alle gezeigten Varianten sind Einzelstücke und doch als Serie wahrnehmbar. Erfrischend in den Kombinationen und der Farbwahl.

„Die Buntheit und der Mut zur Farbe überzeugen mich ästhetisch und formal“ (Gustav Peichl)

Architekten: Angelegt als Serie, überzeugt „Transitions“ mit einer markanten Farbwahl und dem bewussten Ausbrechen aus der Strenge der klassischen Rechtecksform. Mit ästhetischen Anleihen aus der Op-Art der 1960er Jahre, erforscht der Entwurf das Zusammenspiel zwischen geometrischen Formen und starken Farbkontrasten, wobei der Umriss des Teppichs elegant mit dem optischen Muster kommuniziert. Konische Linien in drei komplementär angelegten Farben treffen auf gerundete Schnittkurven und bilden einen Reigen an überraschenden Verbindungen.

Titel: Das Modul als anpassbares Element und gestalterische Variation
Büro: Dietmar Feichtinger Architectes
Designteam: Tim Feichtinger, Yordan Kalapchiev
www.feichtingerarchitectes.com

2. Preis (ex equo)
Begründung der Jury: Der Entwurf ist der „architektonischste“ unter den Einreichungen. Module von 80 x 80 und entwickelte Boden- und Wandverbindungen und Konstruktionen lassen viel Platz für Phantasie – wie ein Bausatz ist es möglich die Teppiche an die Räume anzupassen bzw sie mit ihnen zu entwickeln. Das „Mitdenken“ einer räumlichen Konstruktion wird sehr positiv bewertet.

Architekten: Teppichwand statt Wandteppich – Der Teppich wird als Raumteiler frei an Stahlseilen abgehängt und als Objekt erlebbar. Die optische und akustische Qualität der Teppichwände entspricht den Anforderungen einer modernen hochwertigen Büroumgebung, die als Open Space konzipiert ist. Räume werden durch die Teppichwände erzeugt, die die Intimität der Personen wahrt und gleichzeitig die gemeinsame Arbeit fördert.

Titel: Fischgrät
Büro: Arkan Zeytinoglu Architects
Designteam: Arkan Zeytinoglu, Lucia Kainzbauer
www.arkan.at

Zitat Architekten: Die Grundidee des Entwurfs basiert auf der Materialität eines Fischgrätparketts. Die räumliche Tiefe, Farbverläufe und Beschaffenheit der Oberfläche bilden im Teppich ein textiles Flächengewebe.

Die architektonisch, räumliche Sprache eines Teppichs wird durch Licht, Schatten und Reflexion auf das Gewebe erzeugt. Die Grundidee des Entwurfs war den Verband eines Fischgrätparketts als textiles Flächengewebe umzusetzen. Wie beim Teppich als auch beim Parkett wir die räumliche Tiefe durch das natürliche Material erzeugt bzw. durch natürliche Farbverläufe und Beschaffenheit. Die Verknüpfung der linearen Elemente, der Teppichstruktur, bilden eine zweidimensionale Struktur. Die dritte Dimension wird mit dem Knoten erzeugt.

Titel: Colorist
Büro: propeller z
Designteam: Carmen Wiederin
www.propellerz.at

Zitat Architekten: Der Teppich spielt mit der Farbskala, dem Raster, Materialkombinationen und in seinen Varianten im Maßstab.

Die Farbskala von Geba dient als Grundlage eines Farbspiels für den Teppich. Im klaren Raster entstehen neue Zwischentöne und besondere Farbkombinationen.
Mit diesem Spiel entsteht ein verwischtes, lebendiges Farbbild, das als Gesamtbild ein Teppich ist. Für ausgewählte Ausschnitte dient der Teppich als Musterskala für neue Designs. Dabei wird die Größe beliebig im Maßstab skaliert. Als Fadenmaterial wird je nach Farbton Wolle, Seide, Hanf und Leinen verwendet. Die Höhe des Flors soll je nach Farbintensität kürzer sein, die hellen Stellen bleiben länger.

Titel: Der Teppich als Möbel
Büro: Gangoly & Kristiner Architekten
Designteam: Hans Gangoly, Irene Kristiner
www.gangoly.at

100 Häuser – Preis
Begründung der Jury: Mit leichter Ironie und großer Geste wird der „fliegende Teppich“, die „Wüsten-Oase“ oder die Idee eines „Nomadenzeltes“ gleichzeitig manifestiert. Muster und Form sind Variationen des Traditionellen und gerade in der Abwandlung eine neue, innovative – und poetische – Installation. (Manuela Hötzl)

Zitat Architekten: Betrachtet man den Teppich als Teil einer nutzbaren Möblierung, was er traditionell auch war, und nicht nur dekorativ, stellt sich die Frage nach einer neuen „möbelhaften“ Interpretation.

Die ersten Gedanken kreisen um die Frage, was denn die Rolle eines Teppichs vor dem Hintergrund des Wohnens sein kann. Die Erfüllung von dekorativen Aufgaben reicht vermutlich den meisten Ansprüchen und die atmosphärische Prägung von Räumen ist unbestritten. Aber kann dem Thema nicht noch ein weiterer Aspekt hinzugefügt werden?
Der Teppich als Möbel: In die Struktur des Teppichs wird ein Gerüst aus Drähten eingewebt, welches eine erhabene, stabile runde Fläche definiert. Dabei stehen das Muster der Teppichfläche und das Webmuster der erhabenen Fläche in einem spannenden Verhältnis. Idealerweise kann fast ein surrealer Effekt erzeugt werden. Es wäre interessant das Potenzial dieses Konzepts, Farbe, Muster und räumliche Interpretation, auszuloten.

Titel: Wolkenkuckucksheim
Büro: KLK
Designteam: Theresia Kohlmayr, Jonathan Lutter, Christian Knapp
www.buroklk.com

Zitat Architekten: 99 Kopien einer Utopie gibt es noch. Doch zu jedem einzelnen Teil bekommt man die gesamte Utopie als Fotografie dazu. Die kann man sich dann als Bild aufhängen. Zu mehr ist eine Utopie im Moment ohnehin nicht zu gebrauchen.
Eine Utopie, die gibt es noch? Ja; aber nicht mehr viele davon und heutzutage auch nur zu kaufen; aber das auch nicht mehr als Ganzes, nur in Teilen. Zehn Teile hat so eine gekaufte Utopie. Jedes Teil zehnmal kopiert, also einhundert. Nein wart, eines ist bei der Produktion verloren gegangen. Also 99 Kopien einer Utopie gibt es noch. Doch zu jedem einzelnen Teil bekommt man die gesamte Utopie als Fotografie dazu. Die kann man sich dann als Bild aufhängen. Zu mehr ist eine Utopie im Moment ohnehin nicht zu gebrauchen.

Titel: Architektur als plastischer Körper
Büro: LOVE architecture & urbanism
Designteam: Hana Vasatko, Gereon Berz
www.love-home.com

Zitat Architekten: Durch die „räumliche Dimension“ des Teppichs werden die Architektur der Fläche und die Architektur des Raumes zu Einem.

Der Ursprung unseres Entwurfs zur „Architektur der Fläche“ liegt in der Architektur des Raumes, dem Bauwerk, und durchläuft von dort an einen Prozess der Abstraktion, vom geplanten Gebäude zum Modell, zur Installation, um schlussendlich als Projektion in die Ebene zu gelangen. Entwickelt sich das Werk des Architekten klassischerweise aus der Dimension der planbaren Zeichnung in den Raum, kehrt sich dieser Vorgang nun um. Die Fläche wird zum Start und Zielpunkt unseres kreativen Prozesses.

Trotz allem bleibt die räumliche Dimension erhalten. Der Teppich „wirkt“ auf den Betrachter und lässt in seinem Kopf die Architektur als plastischen Körper neu entstehen. Der angestoßene Prozess wird somit fortgesetzt.

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