Aus 100 ÖSTERREICHISCHE Häuser (Ausgabe 2014/15) – BUY NOW

Bad(e)kult in Baden

Ein Zubau aus klassischen, hochwertigen Materialien

Autor: Magdalena Jöchler Fotos: Stefan Beer

Architektur junger & beer architektur zt gmbh Web www.jungerbeer.at Objekt Haus S Kategorie Neubau / Niedrigenergie Adresse Baden Bauherr privat Planungsbeginn 2010 Fertigstellung 2012 Nutzfläche 220 m2 Kosten k. A. Fotos Stefan Beer

Kurort, Sommerresidenz der Kaiser und Biedermeier: Das sind wohl die drei wichtigsten Begriffe, die man mit Baden in Verbindung bringt. Ihrer Tradition ist sich die Gemeinde, nur 25 Kilometer von Wien entfernt, bewusst und legte Schutzzonen fest, um ein einheitliches Stadtgebiet zu garantieren. Die Vorschriften in diesen Zonen umfassen die Fassadengestaltung, die Materialwahl, die Unterteilung von Fenstern, Türen und Toren, Deckungsmaterial und Aufbauten von Dächern sowie die Proportionen der Baukörper.

Als der Bauherr des „Hauses S“ mit dem Entwerfen der Pläne für den Umbau seines Elternhauses begann, bekam auch er das enge Regelkorsett der Gemeinde zu spüren: Bis der endgültige Plan feststand, waren einige Besuche am Bauamt nötig. Auch aus diesem Grund entschied man sich beim Zubau für klassische, hochwertige Materialien. Nicht nur Behörden wehren sich in Baden gegen zu moderne Neu- oder Umbauten, auch die Bürger selbst haben in der Vergangenheit schon gegen stilfremde Projekte aufbegehrt: Sieben Jahre lang hielt ein Nachbarschaftsstreit in der noblen Helenenstraße Anwälte und Behörden auf Trab.

Weil ein Bürger die historische Infrastruktur von Baden gefährdet sah, kämpfte er mit Plakaten, Flugzetteln und juristischen Schritten gegen ein Bauvorhaben seines Nachbarn. Ähnliche Situationen kennt der Bauherr des „Hauses S“ nicht. Kubatur, Material- und Farbwahl des neu geschaffenen Ensembles integrieren sich in den historischen Bestand. An der Fassade der Gründerzeitvilla wurde nichts geändert, dafür ging es im Inneren des Hauses zur Sache: Wände wurden niedergerissen, der Altbau sozusagen entkernt. Zusammen mit dem modernen Zubau über der Garage ist so eine 185 Quadratmeter große Wohnfläche entstanden.

„Wunsch des Bauherrn war es, auf einer Ebene zu wohnen und eine großzügige Wohnlandschaft zu schaffen“, erklärt Architekt Stefan Beer. Ein großzügiger Sanitär- und Wellnessbereich im historischen Bestand war ein weiteres Anliegen. Mit einer Dusche, groß wie ein Doppelbett, und einer Freiluftdusche auf der Terrasse ist das beauftragte Büro dem Wunsch nachgekommen. Neben den klassischen Materialien greift der Bauherr mit der Badekultur also eine weitere historisch gewachsene Badener Tradition auf – wohl zur Zufriedenheit aller: des Bauherrn, der Nachbarn und des Bauamts.

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