Aus 100 green SPACES 100 green SPACES – BUY NOW

Donauraum – Interview mit LAAC

Interview mit LAAC

Autor: Rosa Schaberl Fotos: Marc Lins

Allerspätestens seit der Biennale 2018 ist LAAC aus der Architekturwelt nicht mehr wegzudenken. Spätestens seit der Neugestaltung der Dornbirner Innenstadt aber auch nicht mehr aus der Landschaftsarchitektur. Bei LAAC begegnen sich Innen- und Außenraum auf Augenhöhe. Momentan arbeitet das Innsbrucker Büro an einem der größten Freiraumprojekte der Stadt Wien – der Neugestaltung der Copa Cagrana. Gründer Frank Ludin und Kathrin Aste im Gespräch mit Chefredakteurin Rosa Sch aberl über ihr Konzept, neue Nutzungsmöglichkeiten und die Schwierigkeit des Loslassens.

Design LAAC
Adresse Fürstenweg 10, 6020 Innsbruck, Tirol
Space Copa Cagrana Neu
Adresse Wien, Österreich
Planungsbeginn 06/2016
Fertigstellung erster Bauabschnitt 07/2018; zweiter Bauabschnitt ca. 10/2019
Nutzfläche 43.000 m²
Baukosten EUR 10.000.000,-
Bauherr WGM Wiener Gewässer Management
Kategorie Neubau, Öffentlich, Landschaftsarchitektur, Stadtplanung
Fotograf Marc Lins

Noch bevor wir über euer Projekt sprechen und gerade für Leser, die nicht aus Österreich kommen: Was genau ist die Donauinsel und welche Bedeutung hat sie für die Stadt Wien und die Menschen? Und würdet ihr bitte euer Projektgebiet noch genau verorten?

Die Donauinsel ist im Zuge der Donauregulierung in den 70er Jahren als Hochwasserschutz und Entlastung des Donaukanals entstanden. Sie hat sich aber recht schnell zum Naherholungsgebiet der Wiener entwickelt und wird heute von wirklich allen Bevölkerungsgruppen genutzt. Gerade dieser Aspekt war für unsere Planung essenziell. Unser Projektgebiet befindet sich nicht auf der Insel selbst, sondern am gegenüberliegenden Ufer. Auch dieser Bereich wurde bereits vor unserem Entwurf als Erholungsgebiet genutzt – es gab hier auch einzelne Gastronomiebetriebe, so wirklich ideal war es aber nicht. Vor allem, weil im dahinterliegenden Bereich oder überhaupt im Bezirk Kaisermühlen in den vergangenen Jahren viele große Bauprojekte realisiert worden sind, der Bezirk im Hinblick auf das Gastronomie- und Kulturangebot aber noch unterversorgt ist.

Dem Projekt Copa Neu ging ein Wettbewerb voraus – welche Anforderungen stellte die Stadt Wien an das Projekt und welcher Grundgedanke steht hinter eurem Gewinnerentwurf?

Gewünscht war ein Masterplan zum „Neustart“ dieses Inselabschnittes – von der Copa Cagrana zur Copa Neu sozusagen. Unsere Idee war es, sogenannte „Docking-Stationen urbaner Diversität“ zu schaffen. Die Bauparzellen wurden neu definiert und die Topografie angepasst, um sowohl die Naherholungsnutzung als auch zukünftige bauliche Maßnahmen zu erleichtern. Bisher war dieser Bereich sehr steil, man hatte die Uferzone, gleich dahinter eine trennende Mauer und weiter oben einen Radweg. Die Zonierung war auf zwei Niveaus aufgeteilt und die Nutzung sehr stark vorgeschrieben. Unser Entwurf sieht eine fließende Landschaft vor, etwas flacher als bisher, aber auch nicht mehr so statisch. Die Eingriffe sind nicht groß und doch strukturieren, organisieren und gestalten sie den Freiraum neu.

Vor uns die Donau, hinter uns die Platte mit dem DC Tower und den Wohnbau- bzw. Büroprojekten. Was spielt sich dazwischen ab? Führt ihr uns einmal linear durch eure Zonierung?

Steht man am Ufer der Donau, hat man wie auch bisher gleich dahinter die Uferpromenade für die Fußgänger. Danach steigt der Hang leicht an und es wechseln Liegewiesen und Grünraumbereiche ab. Hier soll die Donau leichter für die Naherholung zugänglich gemacht werden. Die aufgefädelten Gastronomiebereiche gibt es hier nun nicht mehr – dafür wurden Bereiche für ein temporäres Angebot definiert. Erst weiter oben, außerhalb des hochwassergefährdeten Bereiches, sind Parzellen für die permanente Bespielung vorgesehen. Hier führt nun auch wieder der Radweg entlang. In diesem permanenten Gebiet soll eine Art Plaza entstehen, die über eine Rampe mit dem dahinterliegenden Gebiet rund um den DC Tower verbunden ist. Wie eingangs schon erwähnt, ist dieser Wohn- und Bürobereich noch etwas unterversorgt, was Gastronomie und Kultur angeht. Dies soll sich nun auch ändern.

 

Es ist zwar nur eine persönliche Wahrnehmung, aber die Donauinsel wird momentan doch eher saisonal genutzt? Wird sich daran etwas ändern?

Ja, zumindest teilweise. Das temporäre Angebot steht natürlich immer mit einer saisonalen Nutzung in Verbindung. Das bedeutet aber nun nicht mehr, dass diese Flächen im Winter brach liegen. Es ist durchaus angedacht, die Donauinsel im Winter mit anderen saisonalen Angeboten attraktiver zu machen. Die permanenten Betriebe sollen ganzjährig bespielt werden und sich diverser gestalten als bisher.

 

Kann man die ganzjährige Nutzung allein durch die Öffnungszeiten steuern oder muss ein Freiraum mehr bieten können, um im Winter auch gut angenommen zu werden?

In diesem besonderen Fall lässt sich über die Öffnungszeiten sehr viel steuern. Das hat aber mit den dahinterliegenden Wohn- und Bürobereichen zu tun und nicht unbedingt mit der Naherholung der Wiener. Abseits davon, egal, ob es um den Freiraum selbst oder das bauliche Angebot geht, hängt immer alles von der Qualität ab. Ein qualitativer Freiraum wird in jeder Jahreszeit genutzt. Die Donauinsel sicher auch schon vor unseren Eingriffen – man kennt die Fotos von Eisläufern auf der Donau. Aber natürlich, wenn das bauliche Angebot rein sommerorientiert ist und nur aus ungedämmten Hütten mit Strohdach und „Inselfeeling“ besteht, dann wird es im Winter vermutlich nicht so gut angenommen. Einerseits, weil sie nicht den notwendigen Komfort bieten können, aber schon alleine, weil die baulich geschaffene Atmosphäre nicht mit dem momentanen Bild des Freiraumes im Schnee zusammenpasst. Auf das zukünftige Angebot haben wir keinen Einfluss, diese Aufgabe liegt bei der Stadt Wien. Wir haben aber versucht, einen Freiraum herzustellen, der qualitativ so hochwertig ist, um ganzjährig bespielbar zu sein.

Zusätzlich zum Masterplan war aber auch die Realisierung ein Teil des Wettbewerbes – in welchem Abschnitt befindet ihr euch momentan?

Im Moment sind wir im dritten Bauabschnitt und gerade dabei, die Freianlage herzustellen. Wobei der zweite und dritte Bauabschnitt sich so stark überschneiden, dass sie nahezu simultan realisiert werden. Der erste Bauabschnitt war ja bereits fertig, als die vergangene WM übertragen wurde. Genau diese Phase sieht man auch auf den Bildern – dass diese Flächen damals so gut angenommen und besucht wurden, war wirklich schön zu sehen. Nun folgt noch die ganze Verbindung zur dahinterliegenden Platte inklusive der bereits erwähnten Plaza, ein Baufeld in Richtung der Reichsbrücke mit einem neuen Skatepark, ein Teil des Uferbereiches und die zentrale Liegewiese.

 

So mitten drinnen im Projekt – was war bisher eure größte Herausforderung und was eure größte Freude?

Die größte Freude ist das Projektgebiet selbst. Ein so wichtiges Naherholungsgebiet für die Stadt, das wirklich von jeder Bevölkerungsgruppe genutzt wird. Einfach spannend. Gerade hier durchmischen sich die Bevölkerungsschichten und es entsteht eine belebende Diversität. Wir hoffen, über unser Konzept der „Docking Stations“ diese Diversität auch auf das Angebot übertragen zu können. Die größte Herausforderung kommt vermutlich noch. Es wird das Loslassen sein. Wir haben keinen Einfluss darauf, welche Gebäude dort realisiert werden, welches Angebot zukünftig zur Verfügung steht oder ob es wirklich so vielschichtig wird, wie es unser Konzept vorgesehen hat. Der Grundgedanke war aber auch, dass nicht alles aus unserer Feder stammen soll. Das Loslassen wird trotzdem schwer. Die Copa Neu ist einfach ein sehr interessanter Beitrag zur Stadt und eine spannende Bauaufgabe.

 

Abschließend noch allgemeiner: LAAC realisiert sowohl architektonische als auch landschaftsarchitektonische Projekte. Worin liegt für euch der Reiz an der Landschaftsarchitektur und worin besteht der Unterschied zur Architektur?

Wir glauben, Architektur und Landschaftsarchitektur stellen einen fließenden Übergang dar. Der Landschaftsarchitekt hört nicht an der Gebäudekante zu denken auf und der Architekt nicht an der Fassadenhülle. Wir haben die Landschaft immer als Körper wahrgenommen – als architektonischen Raum sozusagen. Besonders spannend empfinden wir die vierte Dimension. Die Architektur ist stark dreidimensional orientiert – die Landschaftsarchitektur immer vierdimensional. Die Zeit spielt bei Letzterer einfach eine viel stärkere Rolle und schafft eine weitere Dimension. Ein Landschaftsraum ist nie abgeschlossen, man muss immer mitdenken, wie sich dieser Raum über die Zeit entwickeln und definieren kann.

Processing...
Thank you! Your subscription has been confirmed. You'll hear from us soon.
Newsletter
Einfach anmelden und keine Neuigkeit mehr verpassen
ErrorHere