Aus 100 DEUTSCHE Häuser (Ausgabe 2016/2017) – BUY NOW

Durchsicht in Form

Riesige Glasfassaden holen das private Grün ins Haus

Autor: Carlos Oberlechner Fotos: Michael Reisch

Architektur pier7 architekten Web www.pier7-architekten.de Objekt Wohnhaus
K 15 Kategorie Umbau, Niedrigenergiehaus / Passivhaus Fassadenmaterial Eternit-Großformat, Burckhardt’s SOREG-glide Schüco Fassadenfirma Dach und Wand, Alubau Puhlmann Adresse Düsseldorf Bauherr Privat Planungsbeginn 01/2013 Fertigstellung 07/2015 Nutzfläche 560 m2 (Nettonutzfläche 365 m2) Kosten k. A.

Bauen im Bestand – so lautete die gestalterische Herausforderung, der das Düsseldorfer Kreativkollektiv pier7 mit Klarheit, souveräner Lichtführung und Liebe zum Detail begegnete. Ausgangspunkt war ein 1959 errichtetes Wohngebäude mit ausgebautem Spitzboden. Im Zuge der Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen blieben nur Keller- und Erdgeschoss erhalten, wobei letzteres gartenseitig um ca. 4,30 Meter erweitert wurde, sodass ein großzügiger Wohn- und Essbereich samt Küche entstand.

Die Vorgabe des Bauherrn für das Objekt in Hanglage in einem reinen Wohngebiet in Düsseldorf bestand darin, sich zur Straße hin eingeschossig darzustellen. Durch einen geschickten Versatz in der Fassade generierte man ein Staffelgeschoss, das optisch den gewünschten niederen Effekt vermittelt, während dahinter der Baukörper auf bis zu drei Ebenen anwächst. Die straßenseitige Zurückhaltung wird derart zum Garten hin großzügig ins Gegenteil verkehrt. Eine elegante, filigrane Glasfassade mit rahmenlosen Fenstern holt das private Grün mitten ins Haus und bricht die Grenzen zwischen In- und Outdoor.

Eine Terrassenlandschaft auf zwei Ebenen samt Pool dominiert den öffentlich nicht einsehbaren Gartenbereich. Im Wohnraum wiederum geben Sichtbeton und veredelter Estrich den Ton an. Die Geschosshöhe wurde angehoben, raumhohe Türen strecken den Raum zusätzlich. Die Stahlstützen wirken leicht und sind wie die Stahltreppe bewusst angerostet, wodurch das Wohnambiente ein ganz eigenes Flair vermittelt. Im Kontrast dazu verbreitet die grob strukturierte Holzwand heimeliges Wohlbehagen. Anstelle von geschlossenen Wänden ordnen die Stützen den lichtdurchfluteten Wohnbereich, der Lebensbereich der Bewohner erstreckt sich somit über die gesamte Ebene.

Das Gebäude besticht auch durch einen hohen Durcharbeitungsgrad. So wirkt etwa der Baukörper aus der Ferne plastisch, die nahezu grafisch strenge Aufteilung ähnelt jedoch der eines bewohnten Regals. Eine „Ordnung“, die Ruhe und Zurückhaltung ausstrahlt und derart den Bewohnern anspruchsvolle und individuelle Wohnqualität bietet. Diese findet ihre Fortsetzung konsequenterweise auch im Energiekonzept. Eine Photovoltaikanlage am Dach und Geothermiesonden im Erdreich bestimmen dieses. Alles in allem ist der Baukörper energetisch komplett unabhängig und damit Selbstversorger. Form und Funktion im Gleichklang, die Grundparameter von durchdachter Architektur.

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