Aus 100 DEUTSCHE Häuser (Ausgabe 2015/16) – BUY NOW

Graziles Flimmerwerk

Variabel und durchlässig am Augustaplatz

Autor: Martina Powell Fotos: Wolfram Popp

Architektur PLANPOPP architektur stadtplanung, Wolfram Popp Web www.planpopp.com Objekt Haus am Platz, Berlin-Zehlendorf Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial / Fassadenfirma Filigranverglasung / System SkyFrame, Vollholzkonstruktion / MHM, Massiv-Holz- Mauerwerk / geschützte Sonderkonstruktion von PLANPOPP Adresse Augustaplatz, Groß-Lichterfelde Bauherr Privat Planungsbeginn 10/2009 Fertigstellung 5/2011 Nutzfläche 360 m 2 + 160 m 2 Keller Kosten € 1.150,– / BGF nach DIN 277 / 276 KG 300+400 Auszeichnungen Heinze Architekten Award 2014 (2. Publikumspreis)

Variabel und durchlässig. Möchte man das Denken und Schaffen von Wolfram Popp mit zwei Worten zusammenfassen, es wären wohl diese. Mit seinem Ansatz wurde der Architekt weit über die Grenzen Berlins hinaus bekannt. Nach dem Erfolg seiner Estradenhäuser, die das innerstädtische Mehrfamilienhaus mit ihrer Offenheit und Flexibilität neu definierten, nahm sich Popp der Architektur des Einfamilienhauses an: Auf dem Grundstück am alten Augustaplatz sollte für eine fünfköpfige Familie ein offenes, nachhaltiges und neu gedachtes Einfamilienhaus entstehen.

Ein experimentelles Vorhaben, das im gutbürgerlichen Bezirk Berlin-Zehlendorf zunächst für Staunen sorgte: Ausgerechnet hier, zwischen prachtvollen Anwesen und 1950er-Jahre- Bungalows, platzierte Popp eine grazile Stahlkonstruktion. Der rund 360 Quadratmeter große Neubau konkurriert dabei nicht mit dem gebauten Umfeld, sondern bettet es behutsam ein: Die hohe Mauer mit Belvedere, die einst das Vorgängerhaus umgab und laut Bauvorschrift erhalten werden musste, dient heute als Sichtschutz und Antipode. So konnte der Architekt das neue Haus möglichst nahe an die Straße rücken, ohne dass die Bewohner um ihre Privatsphäre fürchten müssen.

Und nicht nur außen setzte sich der Architekt intensiv mit Geschichte und Umfeld des Grundstücks auseinander, auch im Inneren überlegte er sich maßgeschneiderte Lösungen für die Bauherren. Die Wohnräume erstrecken sich auf zwei Ebenen und sind wegen der leichten Stahlskelettbauweise befreit von jeder Traglast. Dazwischen eingesetzt befinden sich sogenannte Sekundärräume – Speisekammer, Toilette im Erdgeschoss und Individualräume im Obergeschoss. Schiebeelemente statt Türen verändern die Raumbeziehungen ständig und laden dazu ein, das Haus immer wieder neu zu gestalten. Und so scheinen vom Eingangs- über den Wohnbereich im Erdgeschoss bis zu den Kinder- und Elternraummodulen im zweiten Stock hier alle Raumgrenzen aufgehoben zu sein. Doch nur fast: Mit wenigen Handgriffen lässt sich das Gebäude komplett verwandeln – in ein Labyrinth zum Beispiel.

Processing...
Thank you! Your subscription has been confirmed. You'll hear from us soon.
Newsletter
ErrorHere