Aus 100 ÖSTERREICHISCHE Häuser (Ausgabe 2016/17) – BUY NOW

Harte Schale, natürlich geknickt

Nüchterne Raumgestaltung, einfache Oberflächen und ein Fokus auf Beton

Autor: Manuela Tomic Fotos: Nok.Design, mia2/Architektur

Architektur mia2/Architektur (Sandra Gnigler, Gunar Wilhelm) Web www.mia2.at Objekt Haus mit Betonschale Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus / Passivhaus Fassadenmaterial Sichtbeton / VWS Adresse Klosterneuburg Bauherr Privat Planungsbeginn 12/2011 Fertigstellung 08/2014 Nutzfläche 351 m2 (Nettonutzfläche 222 m2) Kosten k. A. Fotos Nok.Design, mia2/Architektur

„Der Wunsch des Bauherrenpaares war es, für den Bau seines Einfamilienhauses Sichtbeton zu verwenden“, erzählt der Architekt Gunar Wilhelm. Die Konzeptlinie ist gekennzeichnet durch den Fokus auf das Material. „Wenn ein bestimmter Baustoff bevorzugt wird, wie hier der Beton, so versuchen wir, das zu zeigen und den spezifischen Charakter des Materials zur Geltung zu bringen.“ So entstand der finale Entwurf für das „Haus mit Betonschale“. Außerdem gab es den Wunsch nach nüchterner Raumgestaltung mit einfachen Oberflächen. Das Haus sollte von der Ruhe leben, erklärt der Architekt, und nicht zu stark strukturiert oder aufgeregt sein. Das zeigt sich in der klaren Aufteilung des Volumens in drei voneinander unabhängige Einheiten. Im Erdgeschoss befinden sich die Praxis der Bauherrin und ein Gästezimmer mit Bad. Im ersten Geschoss setzt sich die zweite Einheit aus den Kinderzimmern mit vorgelagertem Balkon, den Wohnräumen und dem Sanitärbereich zusammen.

Ganz oben befindet sich das Elternschlafzimmer samt Bad und eine Galerie, die auch als Arbeitsraum genutzt werden kann. Eine Konstruktion aus Holzlamellen als Sicht- und Sonnenschutz wird hier künftig einen intimen Bereich im Freien bieten, wie der Architekt erklärt. Die Galerie im zweiten und der Wohnraum im ersten Geschoss sind durch einen zweigeschossigen Luftraum – die Bibliothek – miteinander verbunden. Ein großes Fenster an der Westseite sorgt für Belichtung bis in die Abendstunden.

Das Besondere ist jedoch: Der Grundriss des Hauses bildet einen Knick, der dem natürlichen Verlauf des Geländes folgt. „Diese Idee hatte der Bauherr selbst im Grundriss schon mitgeliefert“, erzählt Wilhelm. Das wurde als Vorgabe ernst genommen und für die Gestaltung des Raumprogramms genutzt: Eine Sichtbetonschale an der Südseite spannt einen Zwischenraum zum „Knick“ auf und schafft so Stauraum, Terrassen und Balkone. Das Haus besticht von außen wie innen durch eine klare, durchgängige Architektur. Die Fenster sind so positioniert, dass sie keinen direkten Einblick ermöglichen und dabei die Räume trotzdem mit viel Licht versorgen. Mit der deutlichen Auslegung des Sichtbetons, der durchdachten Aufteilung der Räume und dem großzügigen und gleichzeitig introvertierten Arrangement ist das Haus vor allem eines: zurückhaltend schön.

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