Aus 100 DEUTSCHE Häuser (Ausgabe 2016/2017) – BUY NOW

Holz in Holz

Ein Projekt, mit dem der Architekt gleich doppelt Neuland betrat

Autor: Hannah Stadlober Fotos: Benjamin Krampulz

Architektur Fesselet Krampulz Architectes mit Michael Meyer, freier Architekt Web www.fesseletkrampulz.ch Objekt HDM_Haus Daniel Mindelheim Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus / Passivhaus (KFW 70), Holzbau Fassadenmaterial Lärche, unbehandelt Adresse Mindelheim Bauherr Daniel und Kristin Krampulz Planungsbeginn 01/2015 Fertigstellung 06/2016 Nutzfläche 152 m2 (Nettonutzfläche 128 m2) Kosten EUR 440.000,– brutto (inklusive Einbauten, Küche, Außengestaltung, Honorare)

Das Haus im Norden der Kreisstadt Mindelheim hätte eigentlich ein ganz anderes werden sollen. Für seinen Bruder, damals noch Single, hatte es Benjamin Krampulz geplant. Der wollte es ganz klein und simpel. „Das war ein komplett anderes Haus“, sagt Krampulz. Doch dann lernte
der Bruder seine jetzige Frau und ihre zwei Kinder kennen – und es musste plötzlich für vier Personen geplant werden. „Da war der ursprüngliche Entwurf eigentlich schon fertig für das Baugesuch“, sagt der Architekt. Das Erdgeschoss konnte nicht mehr wie vorgesehen ganz offen bleiben, und auch eine Abstufung zwischen dem privaten Bereich im Obergeschoss und dem Wohnbereich darunter wurde nötig. Trotzdem sollte alles so direkt und kompakt wie möglich bleiben.

„Deshalb war unser Ziel, den Grundriss so zu organisieren, dass praktisch nur Hauptnutzflächen entstehen. Das heißt, jeder Raum im Haus bekommt eine präzise Funktion.“ Mit dem Projekt betrat Krampulz gleich doppelt Neuland: Zum ersten Mal plante der in der Schweiz tätige Architekt für die eigene Familie, und noch nie hatte er ein Projekt in Deutschland, seinem Heimatland, realisiert. Dort kannte er keinen einzigen Handwerker, hatte keine Kontakte. Also machte er sich im Internet auf die Suche.

„Das war schon ein kleines Abenteuer, dennoch hat wirklich alles sehr gut funktioniert.“ Der gelernte Zimmermann half auch am Bau. „Es war sehr spannend, nicht nur zu zeichnen, sondern auch vor Ort mitanzupacken“, sagt Krampulz. „Ich habe dabei sehr viel gelernt.“ Als Zimmermann freute er sich auch über den Wunsch des Bruders nach einem Holzhaus. Dass er das Holzthema konsequent durchziehen würde, war klar. Wenn schon, denn schon: Holzfassade, Holzboden und Holzdecke. Da der Bruder nur wenig mit der Pflege zu tun haben wollte, entschieden sich die Bauherren für eine unbehandelte Lärchenfassade, die mit der Zeit ergraut. Auch sonst versuchte der Architekt, so viele Materialien wie möglich unbehandelt zu lassen. Die Holzdecke etwa ist nur leicht gekalkt, und der Kamin aus Rohstahl wird anrosten. Das Haus wird also altern – schön natürlich und in Würde.

Processing...
Thank you! Your subscription has been confirmed. You'll hear from us soon.
Newsletter
ErrorHere