Aus 100 DEUTSCHE Häuser (Ausgabe 2015/16) – BUY NOW

Modellierte Familienidylle

Eigenwillige Formen mit Geschichte

Autor: Martina Powell Fotos: David Franck Photographie

Architektur J. Mayer H. (Hans Schneider, Jürgen Mayer H., Andre Santer) Web www.jmayerh.de Objekt Dupli.Casa Kategorie Neubau Fassadenmaterial / Fassadenfirma k. A. Adresse k. A. Bauherr k. A. Planungsbeginn 2005 Fertigstellung 2008 Nutzfläche 1.190 m 2 Kosten k. A. Auszeichnungen Chicago Athenaeum, International Architecture Award 2009; Jury Award Wallpaper* 2008 Fotos David Franck Photographie / www.davidfranck.de

Futuristisch, modern, ja wie von einem anderen Stern. Die weiße Villa nahe Ludwigsburg, die durch ihre geometrische Form hervorsticht, fasziniert – nicht nur Architekturexperten in Fachjournalen. „Überraschend groß war die Aufmerksamkeit der Presse und Öffentlichkeit auf das Gebäude“, sagt Wilko Hoffmann vom Büro J. Mayer H., das die Idee zu dem ungewöhnlichen Gebäude hatte. „Ich denke, wir haben hier in Gestaltung, Form und Ausdruck etwas völlig Neues geschaffen, was niemand erwartet hätte.“

Dabei sei die eigenwillige Form kein Designgag, sondern habe mit der Geschichte des Vorläuferbaus aus dem Jahr 1984 zu tun, erklärt Hoffmann. „Als die aktuellen Besitzer das Einfamilienhaus bezogen und das erste Kind erwarteten, wurde angebaut, ebenso für das zweite, dann kam ein Indoor-Pool dazu – und so weiter. Am Ende hatte das Haus keine klaren Konturen mehr.“ Ein Umbau war nötig geworden, gleichzeitig wollten die Bauherren ihre in Beton gegossene Familienhistorie erhalten. Deshalb griffen die Architekten zu einer ungewöhnlichen Lösung: Das Kellergeschoss wurde als „Abdruck“ der Geschichte erhalten, konzeptionell dupliziert und verdreht. Die darauf liegenden Obergeschosse erhielten dadurch nicht nur eine neue Form, sondern wurden komplett neu ausgerichtet. Alle Schlafzimmer im Obergeschoss haben nun zum Beispiel einen guten Blick in das Tal.

Durch den kreativen Umgang mit Ressourcen stellten die Architekten allerdings nicht nur einen Bezug zwischen Alt und Neu her, sondern schufen ein Gebäude, das in Bezug auf Nachhaltigkeit überrascht. Viele Abbruchmaterialien des Hauses, wie die Betondecken, wurden etwa auch bei der Modellierung der Gartenanlage für den Neubau wiederverwertet; und durch die Nutzung des alten Grundrisses mussten keine neuen Flächen versiegelt werden. Außerdem erhielt die Villa durch den aufwendig mit Hand und Schablonen rund geschliffenen Porenbeton eine starke Dämmung. Heute erscheint das weiße Haus wie aus einem Guss – ein Effekt, der durch die fugenlosen Oberflächen erzielt wurde. Diese „Haut“ musste teilweise mithilfe von 1:1-Modellen in Werkstätten und mit Herstellern zusammen erarbeitet werden, erklärt Hoffmann. Ein Aufwand, der sich ausgezahlt hat: „Trotz eines völlig neuen Designs ist es ein Haus, in dem jeder sich zu leben vorstellen kann oder fast wünscht.“

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