Modulares Stadtklima

„Urban Micro Climate Canopy“: Prototyp und Forschungsprojekt der TU München

Autor: Michaela Putz Fotos: TUM / FibR 

Design Planungsteam UMCC – TUM FibR GmbH, Ferdinand Ludwig, Moritz Dörstelmann,
Daniele Santucci, Lorenz Boigner
Adresse TU München, Deutschland
Space
Urban Micro Climate Canopy, UMCC
Adresse TU München, Gewächshauslaborzentrum
Planungsbeginn 10/2017
Fertigstellung 03/2018 Nutzfläche 38 m2
Kooperation FibR GmbH / KUKA Roboter GmbH / Hexion Stuttgart GmbH /
Owens Corning / Bruns Pflanzen-Export GmbH & Co. KG / Vertiko GmbH

„Urban Micro Climate Canopy“ ist ein interdisziplinäres Projekt an der Technischen UniversitätMünchen TUM, das an der Schnittstelle von Lehre und Forschung die Themen Bauwerksbegrünung und ressourcenschonenden modularen Leichtbau zusammenbringt. Unter der Leitung von Moritz Dörstelmann, Prof. Dr. Ferdinand Ludwig, Lorenz Boigner, Prof. Thomas Auer und Daniele Santucci (TU München) sowie mit einer Gruppe von StudentInnen entstand ein architektonischer Prototyp, der das Potenzial hat, das Mikroklima in Städten zu verbessern.

 

Wie war dieses interdisziplinäre Projekt aufgebaut und strukturiert?

Ferdinand Ludwig: Das Ganze war ein forschungsbasiertes Lehrprojekt mit Studenten im Rahmen einer Lehrveranstaltung. Wir haben gemeinsam Inputs gegeben und dann kleinere studentische Wettbewerbe in Gruppen gemacht, die Lösungen zu den Teilaspekten lieferten. Dann wurde immer eine Lösung aussortiert und die Gruppen neu zusammengewürfelt. Je nach Schwerpunkt wurde phasenweise mehr von Moritz Dörstelmann oder mehr von mir betreut. Insgesamt war diese Konstellation hochspannend. Wir kommen einerseits persönlich aus unterschiedlichen Kontexten, zum anderen haben wir Architekturstudenten, Landschaftsarchitekturstudenten und Studenten des Bauingenieurwesens zusammengebracht, die in unglaublich kurzer Zeit sehr produktive Teams gebildet haben.

 

Wie war dieses interdisziplinäre Projekt aufgebaut und strukturiert?

Moritz Dörstelmann: Wir haben uns gedacht, es wäre doch eine tolle Idee, die technische Leichtbaustruktur, die auch an der Schnittstelle von Gestaltung und bautechnischen Synergien neue Möglichkeiten schafft, mit Professor Ludwigs Thema der Baubotanik zu überschneiden und zu sehen, wie man das zusammenbringt, um aktuelle Fragen in der Stadtentwicklung zu beantworten. Daraus hat sich das Gemeinschaftsprojekt gebildet und sich das Team zusammengefunden, in dem jeder seine Expertise zur Verfügung stellte. Ich habe etwa die Expertise im Leichtbau und in den computerbasierten Entwurfsmethoden eingebracht. Unsere Firma, die FibR GmbH, hat dann mit unserem Personal und der Roboterprogrammierung unterstützt sowie bei der Konstruktion und der Bestellung der lasergeschnittenen Teile. In so einem Team ist es auch ganz toll zu sehen, wie einzelne Leute Verantwortung für ihren Teil des Projekts übernehmen.

Was konnten Sie in diesem Projekt herausfinden?

F. L. Ich hatte auch die Rolle der grünen Strukturen, und es war eine große Herausforderung, diese in diesem Planungsprozess zu integrieren. Wir haben festgestellt, dass der objektbezogene Entwurfsprozess bereits sehr gut strukturiert ist, weil es zu den ganzen Fertigungstechniken, Materialien und Prozessen eine gute Grundlage gibt. Bei den Pflanz- und Wachstumsprozessen gibt es das nicht. Es gibt zwar gutes gärtnerisches Wissen, aber es ist nicht so aufbereitet, dass man es für Architekten und Ingenieure in so einem Prozess unmittelbar verwenden könnte. Es war eine Herausforderung, den prozessualen Anspruch, den Pflanzen einfordern, in einem Projekt, das in Richtung Produktdesign geht, unterzubringen. Und damit haben wir uns in einem Folgeprojekt auseinandergesetzt, wie wir diese Lücke schließen könnten.

M. D. Wir haben uns verschiedene Tragwerkstypologien angeschaut und wie so ein modulares System aussehen könnte, aber auch Themen der Verbundstruktur und wie die Pflanzen zusammenwachsen. Wir hatten eine Studentin als Tragwerksingenieurin dabei, die sich angeschaut hat, wie der Kräfteverlauf in so einer Struktur ist; wo man mehr Material braucht. Zum anderen musste man offene Bereiche schaffen, durch welche die Pflanzen dann durchkönnen, aber auch Licht und Luft. Ich denke, wir haben einen sehr erfolgreichen Prototyp geschaffen und würden aus Sicht unserer Firma sagen, dass man damit wirklich in größerem Maßstab öffentliche Plätze überspannen und begrünen könnte – und das in vielerlei Hinsicht in innovativer Art und Weise. Denn man braucht dafür keine große Baustelle, sondern kommt mit präzise vorgefertigten Bauteilen leicht in innerstädtische Bereiche und kann sie mit wenig Aufwand in kurzer Zeit miteinander verschrauben.

Wie geht es nun weiter?

F. L. Das Projekt fand ja erst mal auf einer theoretischen Ebene statt, um das Pflanzenwachstum zu simulieren und zu sehen, wie Pflanzen, vor allem Kletterpflanzen, auf so komplexe Strukturen reagieren. Jetzt haben wir für das Projekt einen dauerhaften Standort gefunden, was aufgrund dieser prozessualen Aspekte wichtig ist. Diesen haben wir auf dem Versuchsgelände der TU München gefunden. Zu diesem Zweck wurde auch die Vegetationstechnik etwas vereinfacht – wir haben uns ausschließlich auf Kletterpflanzen bezogen und hier drei verschiedene Arten eingebettet. Die Pflanzen fangen jetzt an zu wachsen und wir wollen diesen Wachstumsprozess über mehrere Jahre dokumentieren.

M. D. Wir hatten den Prototyp auf der Luminale in Frankfurt im Frühjahr über kürzere Zeit ausgestellt. An unserem dauerhaften Standpunkt werden jetzt verschiedene Pflanzenranktypen getestet. Die Struktur kommt hier an drei Punkten auf den Boden und an jedem Punkt werden drei unterschiedliche Kletterpflanzen angebracht – dann wird betrachtet, wie gut so ein Grundgerüst für eine Begrünung geeignet ist. So sammeln wir auch aus Firmenperspektive Erfahrungen, ob man so etwas auch anbieten kann.

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