Aus 100 DEUTSCHE Häuser (Ausgabe 2015/16) – BUY NOW

Nach dem Dornröschenschlaf

Ein Haus mit Fichtenholz-Fassade, die hervorsticht

Autor: Martina Powell Fotos: ist a r c h i t e k t u r

Architektur ist a r c h i t e k t u r (Maximilian Meixner, Jörg Zimmermann) Web www.istarchitektur.de Objekt Haus J Kategorie Umbau Fassadenmaterial / Fassadenfirma Vorhangfassade Holz (Fichte, Glattkantprofil) / Zimmerei Waltke GmbH Adresse k. A. Bauherr Anonym Planungsbeginn 5/2011 Fertigstellung 9/2012 Nutzfläche 268 m 2 Kosten k. A. Auszeichnung Sächsischer Landeswettbewerb „Ländliches Bauen“ 2013 (Sonderpreis „Qualität im Detail“) 

Im sächsischen Zabeltitz steht ein fichtenholzverkleidetes Haus, das buchstäblich Köpfe verdreht. Zwar sind hier, im Norden von Dresden, scheunenartige Gebäude keine Seltenheit, doch mit seiner monolithisch wirkenden Vorderfront und der Fenstergalerie an der Südseite sticht das „Haus J“ in der traditionellen Umgebung hervor. „Vielleicht kommt an, dass es extrem durchdacht und trotzdem simpel ist“, erklärt Jörg Zimmermann von ist a r c h i t e k t u r den Erfolg des Projekts.

Mit der Kombination aus ländlicher Bausubstanz und zeitgenössischer Architektur haben er und sein Kollege Maximilian Meixner nicht nur die Bauherren des Wohnhauses überzeugt, sondern auch in der Architekturszene gepunktet. 2013 gewannen sie mit „Haus J“ im Rahmen des Sächsischen Landeswettbewerbs „Ländliches Bauen“ einen Sonderpreis für „Qualität im Detail“. Doch vom alten Bestand bis zum preisgekrönten Haus war es ein langer Weg, erinnert sich Zimmermann.

Ursprünglich stand auf dem Grundstück ein L-förmiger Kindergarten, der bis zur Wende in Betrieb war. Danach wurde es in drei Teile geteilt. Der Spielplatz auf der Hinterseite, auf dem heute das „Haus J“ steht, fristete lange ein Schattendasein. „Die Bauherren waren sich zunächst nicht sicher, ob sie einen guten Kauf gemacht haben, da die umliegenden Grundstücke in dieser Gegend etwas größer sind.“ Außerdem sollte genug Platz für den Nachwuchs sein, den die junge Familie erwartete. Was sie am Ende jedoch überzeugte: Direkt vor der Haustür liegen Kastanienallee, Barockgarten und eine beeindruckende Auenlandschaft, die man heute direkt vom Obergeschoss aus betrachten kann.

 

Dass die moderne Neuinterpretation sich so natürlich in den Rest des Ortes einfügt, hat nicht nur mit der liebevollen Renovierung des Bestands zu tun, dessen Mauerwerk erhalten ist und sich hinter der Holzfassade versteckt. Beim Umbau ließ man sich außerdem von den Torhäusern im nahe gelegenen Schloss aus dem 17. Jahrhundert inspirieren und übernahm den Grundriss vom Bestandshaus, erklärt Zimmermann. Lediglich das Obergeschoss wurde neu aufgesetzt und die Fenster neu eingesetzt. Von vorne nach hinten betrachtet wird das Haus immer privater, erklärt der Architekt das Innenraumkonzept: Nach dem offenen Wohnbereich folgen Schlafzimmer, Sauna und Bad. „Es war nicht immer leicht, die Detaildichte durchzuziehen, die wir mit den Bauherren geplant hatten“, sagt Zimmermann. Doch die intensive Planungsphase hat sich ausgezahlt: Den ehemals verwaisten Spielplatz konnten die Architekten aus seinem Dornröschenschlaf holen und darauf ein Haus hinsetzen, das wohl noch lange ein Hingucker bleiben wird.

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