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Naturtalent – Ula Maria im Interview

Gartengestalterin Ula Maria im Gespräch mit Redakteurin Julia Riefenstahl

Autor: Julia Riefenstahl Fotos: James Lamb

Seit Ula Maria 2017 den „Young Designer of the Year Award“ der Royal Horticultural Society gewonnen hat, gilt sie in Großbritannien als die Newcomerin unter den Gartengestaltern. Sieht man sich heute – rund zwei Jahre später – ihr Portfolio an, kann man das „Newcomerin“ getrost streichen. Ula Maria ist zwar jung, aber zu Recht erfolgreich. Ihre Gestaltungen: Naturnah wie ihre Kindheit. Von beidem erzählt die Landschaftsarchitektin im Gespräch mit Redakteurin Julia Riefenstahl.

Ula Maria wurde in Litauen geboren und hat an der Universität Birmingham Landschaftsarchitektur studiert. Mehrfach ausgezeichnet, arbeitet sie als selbstständige Garten- und Landschaftsarchitektin.

War es dein Kindheitstraum, Gärten zu gestalten, oder wie ist es zu deiner Berufswahl gekommen?

Der Traum war damals vielleicht nicht so konkret, aber ja, der Grundstein zu meiner Berufswahl liegt wirklich in meiner Kindheit und dem sehr ländlich geprägten Litauen. Ich verbrachte meine Sommer damit, Beeren zu sammeln und im Fluss Ula –gesäumt von Nadelwäldern und Sandklipen – zu schwimmen. Heute als Gartengestalterin zu arbeiten, bedeutet für mich nichts anderes, als die Verbundenheit zur Natur und meine Begeisterung für das Draußensein zu meiner tagtäglichen Arbeit machen zu können. Auch meine Liebe zu Design, Architektur und Kunst habe ich schon früh entdeckt. Der Besuch der Kunstschule in Litauen hat dies noch verstärkt und mich dazu veranlasst, in Großbritannien Landschaftsarchitektur zu studieren. Nachdem ich in diese geschäftige Stadt gezogen war und den Vergleich zu meiner „naturerfüllten“ Kindheit hatte, war ich mir meiner Berufswahl sicher. Es war plötzlich so offensichtlich, wie sehr kleinste positive Veränderungen in unserer Umg bung die Lebensqualität nachhaltig verändern.

Was ist für dich persönlich das Besondere an dem Projekt „The Style and Design Garden“?

Durch die Gestaltung dieses Gartens konnte ich wirklich über jedes Detail und jede Ecke des Raumes nachdenken. Es ist ein eher kleiner Garten, aber ich wollte ihm viele Charakterschichten und Tiefe geben. Er sieht nicht aus wie ein gerade erst angelegter Garten, er sieht so aus, als wäre er schon immer da gewesen, und ich denke, das ist etwas Besonderes.

Wenn du auf all deine Arbeiten und Projekte zurückblickst, was war deine größte Herausforderung?

Die Unberechenbarkeit der Natur würde ich als größte Herausforderung und als lohnendsten Teil meiner Arbeit definieren. Sie ist nie statisch, verändert sich ständig und nicht immer so, wie man es eingeplant hat. Das ist für mich auch ein großer Unterschied zur Innenarchitektur, in der man stärker planen kann, wie welches Element wann wirkt. Bei der Arbeit draußen gibt es viele Faktoren, die du nicht bestimmen kannst: Wetter, Saisonalität, Standort, Bodentyp – um nur einige wenige zu nennen. Egal, wie weit du vorausplanst, die volle Kontrolle hast du nie.

Was macht die Natur mit dir? Warum sollten wir deiner Meinung nach alle Zeit draußen verbringen?

Ich fühle mich am glücklichsten, wenn ich von Natur umgeben bin. Es erdet mich und gibt mir das Gefühl, Teil von etwas viel Größerem zu sein. Dieses Gefühl macht lebendig. Zurzeit lebe ich mitten in der Stadt, aber wenn ich Zeit brauche, um nachzudenken oder meine Gedanken zu ordnen, ziehe ich mich immer in die Natur zurück. Und genau das möchte ich auch anderen ermöglichen und gerade in der Stadt ist das manchmal einfach „nur“ ein kleiner Garten. Aber sofort fühlt man sich wieder verbunden – hört, sieht und versteht besser.

Was können wir aus einem Garten lernen? Was zeigt uns die Tätigkeit des
Gärtnerns?

Es gibt so viele Vorteile, die uns selbst ein ganz kleiner Freiraum aufzeigt. Und zwar sowohl mental als auch physisch. Pflanzen wachsen, entwickeln und gedeihen zu lassen ist ein sehr offensichtlicher, aber trotzdem immer ein besonderer Prozess. Es zeigt uns, wie wir mit einem leeren Boden beginnen und ihn in etwas Magisches verwandeln können. Es erfordert Zeit und Sorgfalt – so wie jede andere Beziehung in unserem Leben.

Welche Pläne hast du für die Zukunft? Welche Projekte interessieren dich besonders?

Ich hoffe, dass ich weiterhin Räume gestalten kann, an denen sich die Menschen erfreuen können. Ich hatte das große Glück, meine Leidenschaft zum Beruf machen zu können. Es erlaubt mir, zu reisen, viele erstaunliche und inspirierende Menschen zu treffen und ihre Leben ein klein wenig zu verändern. Ich möchte gerne einmal mit einem Krankenhaus oder einem Hospiz zusammenarbeiten und die Erfahrung derer verbessern, die viel Zeit in solchen Umgebungen verbringen. Ich würde gerne etwas wirklich Sinnvolles schaffen, das eine große Veränderung im Leben eines Menschen bewirken würde. Ich glaube, die Natur oder eine naturnahe Gestaltung könnten die Aufenthalte für schwer kranke oder gar unheilbar kranke Menschen verbessern. Leider werden diese Freiräume noch oft übersehen – sie sind passiv und könnten stattdessen sicherlich den Heilungsprozess positiv unterstützen. Das wäre ein zukünftiges Projekt, das mir große Freude bereiten würde.

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