Aus 100 ÖSTERREICHISCHE Häuser (Ausgabe 2016/17) – BUY NOW

Schiff Ahoi!

Eine „Mikrovilla“, bei der jeder Winkel ausgenutzt wurde

Autor: Magdalena Jöchler Fotos: Kurt Kuball

Architektur SHARE architects Web www.share-arch.com Objekt bathing hut = micro villa Kategorie Neubau Fassadenmaterial Alucobond Fassadenfirma GEHA Leichtmetallbau Ges.m.b.H. Adresse 1210 Wien Bauherr Privat Planungsbeginn 02/2012 Fertigstellung 07/2013 Nutzfläche 45 m2 Kosten k. A. Fotos Kurt Kuball

So ein Segelschiff hat die Alte Donau noch nicht gesehen! Normalerweise kreuzen das beliebteste Binnengewässer der Wiener nämlich nur die Nussschalen der umliegenden Bootsverleihe. 2013 hat sich das geändert, als das Team von SHARE architects mit „bathing hut“ ein ordentliches Segelboot an Land legte – zumindest sieht es so aus: Die weißen Alupaneele an den mitunter schrägen Hauswänden könnten das Segel sein, der rotbraune Steg das Holzdeck. Auf seinen 45 Quadratmetern hat das Badehaus alles, was seine Bewohner für kurze Aufenthalte im Sommer brauchen: Küche, Wohnzimmer, Bad, WC und Abstellraum sind im Erdgeschoss, geschlafen wird in der Galerie darüber. „Wie bei einer Segelyacht, die ja auch sehr klein ist, haben wir die Winkel optimal ausgenutzt“, erklärt Thomas Lettner von SHARE architects.

Auf zeitgemäßen Wohnkomfort muss also nicht verzichtet werden. „Ich spreche immer von einer Mikrovilla, weil es alle Stückln von großen Häusern spielt: Fußbodenheizung, Klimaanlage und ein Bootsanlegesteg, der nachts beleuchtet werden kann.“ Genutzt werden darf all dieser Komfort laut Grundstückswidmung jedoch nicht ganzjährig. Hier, mitten in einem der Kleingartenvereine, die sich entlang des alten Donauverlaufs angesiedelt haben, haben Badehütten eine lange Tradition. In den 1920er-Jahren dienten die Parzellen zur Selbstversorgung für die Städter, später kamen die Sommerhäuschen zur Erholung dazu. Winterfest durften sie per Gesetz allerdings nicht sein. Eine solche Hütte stand ursprünglich auch auf diesem Grundstück. Weil sie aber nicht mehr in Schuss war, wurde neu gebaut. Kubatur und Zweck blieben gleich.

Dass man das Häuschen trotz seiner zwei Geschosse von der Straße aus fast übersieht, hat mit der Grundstückslage zu tun: Zwischen Straße und Ufer fällt das Gelände über drei Meter ab. Dies wusste das Team von SHARE architects zu nutzen, und so entstand neben dem weitläufigen Steg eine Dachterrasse, von der die Bewohner ungestört die Alte Donau genießen und sich entspannt treiben lassen können – wie auf einem echten Segelboot.

Processing...
Thank you! Your subscription has been confirmed. You'll hear from us soon.
Newsletter
ErrorHere