Aus 100 ÖSTERREICHISCHE Häuser (Ausgabe 2016/17) – BUY NOW

Schneeweißer Schindelstern

Eternitfassade in Weiß und Grau – so wie die umliegenden Gletscher

Autor: Martina Powell Fotos: CROCE & Wir

Architektur Marion Wicher Architektur Web www.yes-wicher.com Objekt Haus HM Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus / Passivhaus Fassadenmaterial Eternitschindeln (Dachplatte ED Rhombus 40/44, Sonderfarben) Fassadenfirma Eternit, www.eternit.at Adresse Selzthal Bauherr Privat Planungsbeginn 2010 Fertigstellung 2013 Nutzfläche 138 m2 Kosten k. A. Auszeichnungen Das beste Haus 2015 Fotos CROCE & Wir 

Zwischen Ennstaler Alpen und Rottenmanner Tauern liegt die Gemeinde Selzthal – in einer Landschaft, die von den Bergen und ihren das ganze Jahr über schneebedeckten Gipfeln geprägt wird und unter Wanderern und Naturliebhabern als Geheimtipp gilt. Schnee und Fels, Licht und Schatten wechseln sich hier auf spektakuläre Art und Weise ab. Beim diesem Anblick ist es kein Wunder, dass sich Architektin Marion Wicher von der Umgebung inspirieren ließ und in dem kleinen Ort ein Projekt realisierte, das auf das hier allgegenwärtige Naturschauspiel Bezug nimmt: eine Villa, die, komplett in weiße und dunkelgraue Eternitschindeln gehüllt, einem Gletscher gleicht.

Dem spektakulären Endergebnis steht eine eher einfache Ausgangssituation gegenüber: Die Bauherren, ein Ärzte-Ehepaar, wünschten sich eine kleine, barrierefreie Villa als Alterssitz in alpiner Umgebung. Im Zuge der Planungen wurde das Bauprojekt jedoch immer ambitionierter, auch, weil sich die Bauherren engagiert einbrachten. Nachdem der erste, bewusst einfach gehaltene Vorschlag verworfen worden war, entschied man sich für einen Grundriss, der die alpine Umgebung regelrecht „umarmt“: Einem Stern gleich, bescheren großzügige Glasflächen dem „Haus HM“ viele Berührungspunkte zwischen innen und außen.

Jeder der drei „Arme“ erfüllt dabei eine andere Funktion: Nummer eins beherbergt Garage, Technikraum und Lager, Nummer zwei den Bereich mit Wohnen, Essen und Küche und Nummer drei Schlafzimmer und Bad. Alle Räume befinden sich auf einer Ebene, wobei der Eingang im Schnittpunkt der „Arme“ liegt.

Zum ungewöhnlichen Grundriss und der auffälligen Fassadengestaltung gesellt sich ein Satteldach, das das prägende Gestaltungs- element der umliegenden Bebauung aufgreift, es aber zugleich neu interpretiert. Der Giebel, zum Beispiel, neigt sich sachte nach allen Rich- tungen, „als würde er sich selbst zu schwer“, heißt es aus dem Büro Wicher. So auffällig die Faserzement-Fassade auch erscheinen mag, wirke die Villa, so die Jury von „Das beste Haus“, durch die eingeschossige, dreiarmige Konzeption kleinteilig, trete das Haus in seiner charakteristischen Form sehr zurückhaltend auf. Und wem der Eternitschindel-Gletscher irgendwann doch zu viel wird, der kann das Auge ja weiterschweifen lassen und das Spiel von Licht und Schatten auf den Berggipfeln über dem Selzthal in natura betrachten.

Processing...
Thank you! Your subscription has been confirmed. You'll hear from us soon.
Newsletter
ErrorHere