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Streck dich!

Das Bauernhaus M1 von Architekten Christian Prasser

Autor: Manuela Hötzl Fotos: Philipp Kreidl

Architektur Architekt Christian Prasser, cp architektur Objekt Bauernhaus M1
Kategorie Bauen im Bestand Innenausbau Josef Prödl Tischlerei  Betonfertigteile
Mandl & Bauer  Adresse Jois, Burgenland Bauherr Privat Planungsbeginn 09/2013
Fertigstellung 06/2015 Wohnfläche Haus: 187 m2, Stadl: 144 m2 Auszeichnung 2018 Das beste Haus. Architekturpreis 2018, Nominierung 2017 best architects 18 award, 2016 Holzbaupreis Burgenland 2016, 1. Preis Fotos Philipp Kreidl 

Aus Alt mach Neu: Klingt einfach. Da mit eine historische Bausubstanz aber ihren
speziellen Charakter bewahrt und dennoch neue räumliche Qualitäten erhält – dafür ist eine besonders sensible Planung nötig. Weiter bauen ist ein immer wichtigeres Thema in der Architektur – verstärkt in ländlichen Regionen, wo Dorfkerne ihre Infrastruktur, Lebendigkeit und Dichte verlieren. Oft ist es leichter, auf der grünen Wiese ein Haus nach seinen Wunsch vorstellungen zu bauen, als ein Bestandsgebäude so zu adaptieren, dass es für zeitgenössisches Wohnen geeignet ist. Aber wenn
das Kunststück gelingt – wie beim Bauernhaus M1 im Burgenland –, dann entsteht ein spannendes Wechselspiel mit dem Besten aus zwei Welten. Der Bauernhof in Jois, ein typischer burgenländischer Streckhof, liegt direkt an der Hauptstraße des Ortes. Das schmale, 55 Meter lange Grundstück wird straßenseitig von einer Steinmauer begrenzt und hinten von einer alten Scheune abgeschlossen. Der ursprüngliche Plan, diese Scheune zum Wohnhaus und den langen Hof zum Gästehaus umzubauen, wurde schnell verworfen. Und der Plan umgekehrt. Sofort war klar, dass der Platz zwischen Haus und Scheune zum zentralen Punkt des Wohnens werden sollte. Nicht nur, weil nur dort die Tiefe des Grundstücks erlebbar ist.

Besonders die Scheune hatte es dem Architekten Christian Prasser angetan. „Eigentlich war es ein Glück, dass die vorherigen Besitzer nur den vorderen Teil des Hauses benutzt hatten; so war alles in seinem ursprünglichen Zustand erhalten.“ Die traditionelle Scheune mit sägerauen Lärchenbrettern und offenen Fugen hat sich – auf den ersten Blick – auch nicht verändert. Dennoch wurde der Baukörper bis auf seine Steinmauern und den alten Dachstuhl komplett entkernt. Christian Prasser: „Es geht nicht darum, das Neue zu verstecken, sondern den Kontrast zwischen Neu und Alt zu betonen. Nur so entsteht eine Einheit.“

Zum Wohnhaus ist der neue Quader zusätzlich mit raumhohen Glasscheiben versehen, die direkt den Blick in den Garten freigeben. Mit dem großen Scheunentor kann die vordere Front völlig geöffnet werden. Gästezimmer, Freizeitbereich und innenliegen der Pool machen die Scheune somit zu einem – wahlweise – Innen- oder Außenraum. Das eigentliche Wohnhaus im ursprünglichen Bauernhaus tritt optisch ein wenig zurück – aber nur äußerlich. Auch beim Altbau wurde formal nur geringfügig eingegriffen. Betritt man das schmale Haus, ist der Charme überwältigend. Durch die durchgehende Tiefe von sechs Metern und die Länge von 30 Metern erschließt sich das Haus Raum für Raum. Bedingt durch das ansteigende Grundstück bzw. unterschiedliche Unterkellerungen verfügen die Räume im Erdgeschoss über verschieden hohe Bodenniveaus. Gewohnt wird Richtung Garten, zur Scheune hin. Raum für Raum ein Musterbeispiel, wie man mit Bestand und Verstand plant.

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